Was wäre, wenn wir alle Gefühle – ich meine wirklich alle Gefühle – die tagtäglich in uns entstehen in ihrer Gänze spüren und zulassen würden? Ja, ich meine wirklich alle Gefühle. Das Spektrum ist groß: Liebe, Freude, Überraschung und genauso Hass, Wut, Scham, Ekel, Trauer, Angst. Um nur diese zu nennen.

Gute und schlechte Gefühle.

Ich vermute, dir geht es wie mir, dass du diese Gefühle ganz automatisch in gut und schlecht unterscheidest. Die Guten sind die, die ich in meinem Leben spüren will, die möglichst immer da sein sollen. Die Schlechten, sollen bitte wegbleiben, oder werden gern auch mal verdrängt. So haben wir das gelernt. Es gibt erwünschte und unerwünschte Emotionen. Welche, die man zeigen darf und welche, die man lieber nicht auslebt, die peinlich sind, oder einen schwach erscheinen lassen. Doch was macht das mit uns, wenn wir einen Teil unseres Gefühlslebens einfach abschneiden, versuchen auf dieser Seite der Emotionen taub zu werden?

Pendel der Gefühle.

Ich stelle mir mein Gefühlsleben vor wie ein Pendel oder eine Schaukel. Auf beiden Seiten gibt es Raum zum Schwingen. Wenn wir jedoch den Schwung auf der einen Seite bremsen, weil diese Gefühle als schlecht oder unangenehm gelten, dann kann das Pendel auch auf der für uns positiv belegten Seite nicht voll ausschlagen. Heißt: Wenn ich  beispielsweise Trauer oder Angst bremse und nicht bereit bin, das zuzulassen und komplett zu spüren, dann kann mein Pendel auch nicht in Richtung Freude oder Liebe ausschlagen.

Körperliche Empfindungen.

Ähnliches nehme ich bei körperlichen Empfindungen wahr. Im Coaching stelle ich oft und gerne die Fragen: „Wo spürst du das im Körper? Wie fühlt sich das an?“. Die Antwort beginnt häufig mit:“Naja, ich denke, dass…“.Es ist wirklich schwer oder vor allem ungewohnt, über unsere Empfindungen und Emotionen zu sprechen. Wir scheinen unserem Körper entrückt – zumindest dem Teil unterhalb des Kinns. Was aber auch nicht verwunderlich ist, denn wir lernen früh, Sachverhalte zu analysieren, Fakten zu prüfen und wiederzugeben, falsch und richtig zu unterscheiden, logisch zu denken. Dafür gibt es gesellschaftliche Anerkennung z. B. in Form von Noten, Bildungsmöglichkeiten, Jobs und somit Status, Einkommen. Alles Aspekte, die in unserem Bild vom Leben hohe Relevanz haben. Es gibt kaum Ermutigung ins Spüren zu kommen. Sei es auf der emotionalen oder der körperlichen Ebenen. Es scheint eher peinlich zu sein, Gefühle oder körperliche Empfindungen zu thematisieren (es sei denn wir können dies ganz analytisch in Form von „tut weh, hat folgende Diagnose, wird behandelt“ tun).

Gefühle, Empfindungen und Gedanken.

Daher nochmal die Frage: Was wäre, wenn wir alle Gefühle, die täglich in uns entstehen in ihrer Gänze spüren und zulassen würden? Hirn, Körper und Emotion sind miteinander verwoben. Wir sind nicht nur Hirn oder Körper oder Gefühl. Alles spielt zusammen und nur im Ganzen betrachtet kann das System in Balance kommen. Gedanken beeinflussen unsere Gefühle, Gefühle beeinflussen die Hormonausschüttung, die Hormone beeinflussen unsere Körperfunktionen und unser Wohlbefinden, unser Wohlbefinden beeinflusst unsere Wahrnehmung und Gedanken,… Du verstehst was ich meine.

Hashimoto und die Gefühlswelt.

Hashimoto bringt Vieles in uns durcheinander und untergräbt das Vertrauen in uns und unseren Körper. Statt Freude, Leichtigkeit, Ruhe und Ausgeglichenheit übernehmen hier eher Unsicherheit, Angst, Trauer, Ohnmacht und Verzweiflung das Ruder. Wenn wir es schaffen uns nicht von unseren Gefühlen vereinnahmen zu lassen, sondern sie in Ruhe zu betrachten, sie zuzulassen, dann kann das Pendel wieder ins Schwingen kommen und wir wieder mehr in Balance. Lass uns schaukeln gehen!

Deine Sabrina.

PS: Wenn du dir Begleitung und einen geschützten Raum wünschst, um mit deinen Gefühlen, die durch Hashimoto entstehen, in Kontakt zu kommen, dann schau hier vorbei und schreibe mir heute!