2 Tage in der Abtei Münsterschwarzach: ein Logbuch

25 Feb 2022 | Persönliches

Mitte Februar durfte ich meine Kollegin Andrea von Schröder zu einem Auftrag begleiten. Ein Unternehmenskunde hat sie für die Durchführung von Systemaufstellungen für die Organisation gebucht und ich durfte sie begleiten. Veranstaltungsort war Münsterschwarzach. Das Kloster, das auch Wirkungsstätte von Anselm Grün ist. Mir war klar, dass ich dieses Erlebnis in Form eines Artikels festhalten möchte, allerdings wurde mir auch bewusst, wie schwer es ist, die Eindrücke in Worte zu fassen. Darum hab ich mich entschieden, es in Form eines Logbuchs zu tun. Die klare Struktur gibt mir den Rahmen, den ich dafür brauche.

Montag

11:00 Uhr

Schon von der Autobahn sehe ich das imposante Bauwerk: die Abtei Münsterschwarzach. Hier darf ich also die kommenden beiden Tage verbringen. Ich bin sehr beeindruckt. Meine Gemütslage ist vorfreudig aufgeregt mit einer guten Portion Respekt vor dem, was auch mich warten wird.

11:15 Uhr

Ankunft im Gästehaus der Abtei. Der Koffer ist im Gepäckraum abgestellt und ich mache mich auf den Weg in den Seminarraum, der für unseren Auftraggeber reserviert ist. Bisher habe ich ihn noch nicht persönlich kennengelernt. Andrea ist die Verbindung, durch die ich überhaupt hier sein kann. Das ändert sich genau jetzt. Denn er sitzt bereits im Seminarraum und arbeitet. Ein kurzes Hallo, eine kurzes Vorstellen – denn er kennt mich bisher ja auch nicht. Und ich bekomme direkt den Tipp um 12 Uhr die Mittagshore in der Abtei zu besuchen, weil das eine wunderbare Möglichkeit sei, hier bei den Benediktinern anzukommen.

11:25 Uhr

Ich mache mich auf, um mich ein bisschen auf dem Klostergelände umzusehen. Die Abtei wirkt aus der Nähe nicht weniger beeindruckend. Auch wenn ich kein Kirchenmensch bin, ziehen mich die Stimmung und die Energie, die hier herrschen sehr in ihren Bann.

11:35 Uhr

Andrea ist angekommen. Gemeinsam machen wir uns auf die Tour über das Klostergelände. Die Mönche sind hier noch immer Selbstversorger. Da hatte ich mir vorher gar keine Gedanken drüber gemacht. Darum hat es mich zunächst überrascht. Das Kloster ist der größte Arbeitgeber am Ort. Das wird verständlich, wenn man sich die Ausmaße anschaut. Obst- und Gemüsegarten, Stallungen, Druckerei, Verlagshaus, Goldschmiede, Fairtrade-Laden, Schule, Sternwarte, Gästehaus und noch einiges anderes mehr. All das will bewirtschaftet und mit Leben gefüllt werden.

12:00 Uhr

Ich schlüpfe noch gerade rechtzeitig in die Abtei um an der Mittagshore teilzunehmen. Mit völlig beschlagenen Brillengläsern bahne ich mir meinen Weg in eine der letzten Reihen. Die Mönche kommen nach und nach in die Kirche und setzen sich an ihre Plätze im Chorgestühl. Mir war bis dahin nicht bewusst, dass sie die komplette Zeit über singen würden. Das war unglaublich schön und berührend. Mich durchzuckte es dann allerdings kurz, als ich wieder mehr Durchblick hatte und ich eine große, auffällige Markierung in der Sitzreihe VOR mir entdeckt habe, die die Aufschrift trug: Hier ist ein Platz für Sie. Neiiin, gerade hier angekommen mit dem Vorsatz möglichst alles richtig zu machen in diesem fremden Umfeld und dann schaffe ich es nicht einmal, mich in der Kirche an die Sitzregeln zu halten. Nun gut. Die Abstandsregeln waren dennoch eingehalten, so konnte ich mich schnell wieder auf die Stimmung einlassen.

12:20 Uhr

Das erste Mittagessen. Die Gruppe, mit der Andrea und ich arbeiten werden, ist inzwischen fast vollständig angereist. Wir werden von einem der Brüder begrüßt, bekommen eine kurze Einweisung. Vor dem Essen wird gebetet.

ab 14:00 Uhr

Beginnend mit der Vorbesprechung mit dem Auftraggeber starten wir in unsere eigentliche Aufgabe hier in Münsterschwarzach. Wir verschaffen uns einen Überblick über die Themen, die er gerade im Fokus für die geplanten Systemaufstellungen sieht. Den Nachmittag über steigen wir bereits in eine sehr intensive Diskussion rund um Vertrauen ein. Wir machen eine erste Aufstellung zum Ankommen mit den Aspekten Ich – Vertrauen – Verantwortung. Alle dürfen einmal spüren, wie sich diese Konstellation ganz individuell anfühlt. In welchem Verhältnis stehen die Aspekte zueinander? Ist das stimmig, oder braucht es Veränderung?

18 Uhr

Die Vesper findet in der Abtei statt. Ich entscheide mich, nicht daran teilzunehmen.

18:40 Uhr

Abendessen. Wir werden wieder durch einen der Brüder begrüßt.

19:45 Uhr

Wir haben beschlossen den Abend über weiter mit der Gruppe zu arbeiten. Noch ist Energie bei allen vorhanden und wir möchten die erste große Aufstellung mit der Gruppe durchführen. Diese ist sehr intensiv. Es gibt viel zu entdecken und wahrzunehmen. Die Auswertung verschieben wir auf den nächsten Tag.

21:50 Uhr

Wir beenden den Tag. Er war lang und eindrucksvoll. Mein Weg führt mich direkt in mein Zimmer. Mich beschäftigen die Eindrücke des Tages (die sowohl durch den Aufenthaltsort, wie auch die diskutierten Themen entstanden sind) sehr nachhaltig, was zu einer außergewöhnlich unruhigen Nacht führt.

Mein Fazit des ersten Tages in Münsterschwarzach

Es war ein intensiver Einstieg und ich reagiere sehr auf mein Umfeld. Die ersten Aufstellungen haben gezeigt, dass ich hier sehr tief eintauchen kann.

Dienstag

5:20 Uhr

Ich liege bereits wach im Bett. Viel Schlaf habe ich in dieser Nacht nicht bekommen. Und wenn, dann habe ich sehr wild geträumt. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, zur Morgenhore in die Abtei zu gehen (diese beginnt heute ausnahmsweise erst um 6 Uhr, statt um 5 Uhr), verwerfe den Gedanken aber wieder. Ich starte in Ruhe in den Tag.

7 Uhr

Wir treffen uns in der Gruppe zur Meditation. Zu Hause meditiere ich auch an den allermeisten Tagen, aber in der Gruppe ist das einfach ein ganz anderes Erlebnis.

7:40 Uhr

Frühstückszeit. Wir werden – wie bei jeder weiteren Mahlzeit – von einem der Brüder begrüßt.

9 Uhr

Wir starten in den zweiten Tag. Nachdem wir die Eindrücke der Aufstellung vom Vorabend gesammelt haben, erschließen wir auf Basis der Erkenntnisse das nächste Thema. Wir machen eine Erkundungsaufstellung, worin Spannungsfelder sichtbar gemacht werden können, in denen sich das Unternehmen und alle Beteiligten bewegen. Für mich sehr überraschend war das Erlebnis, als das aufgestellte System einen Zeitsprung zwei Jahre in die Zukunft gemacht hat und sich schlagartig Veränderungen eingestellt haben. Immer wieder bin ich beeindruckt, was sich durch Aufstellungen alles zeigen kann.

12 Uhr

Für die Mittagshore beenden wir den Vormittag.

12:20 Uhr

Mittagessen

14:00 Uhr

Wir kommen im Gruppenraum zusammen, um die Erkenntnisse des Vormittags zusammen zu tragen.

14:30 Uhr

Es wartet ein äußerst spannender Nachmittag auf uns. Der Abt von Münsterschwarzach und einige der Mönche kommen zu uns in den Gruppenraum. Man muss dazu sagen, dass unser Auftraggeber sehr enge Beziehungen hierher pflegt, was dies überhaupt erst möglich macht. Was für mich sehr interessant ist, ist die Tatsache, dass überall dort, wo Menschen aufeinander treffen, miteinander arbeiten und leben, sehr ähnliche, wenn nicht die gleiche Fragen auf den Tisch kommen. Da macht auch das Klosterumfeld keinen Unterschied. Einerseits finde ich es ernüchternd, andererseits auch äußerst beruhigend.

17 Uhr

Wir machen eine kurze Pause für Kaffee und Kuchen, bevor wir zu einem ausführlichen Rundgang über das Klostergelände starten.

18 Uhr

Heute besuche ich die Vesper. Die Stimmung trägt mich förmlich weg und ich bin sehr mit meinen aufsteigenden Emotionen und Empfindungen beschäftigt. Ich kann es nicht beschreiben. Ich kann einfach nur empfehlen, selbst einmal diese Erfahrung zu machen.

18:40 Uhr

Abendessen

19:30 Uhr

Pater Anselm Grün besucht unsere Gruppe. Wir greifen die Themen auf, die uns über die bisherige Zeit begleitet haben: Vertrauen, Entwicklung, Polaritäten. Pater Anselm gibt uns Einblick in seine Perspektive auf diese Themen. Es entsteht eine Diskussion, die mich so packt, dass ich anfange sehr engagiert zu argumentieren. Ich liebe solchen Austausch sehr. Wenn Gedanken von verschiedenen Menschen mit völlig verschiedenen Erfahrungen zusammen im Raum kreisen, sich befruchten und immer weiter gesponnen werden. Das kann ich unglaublich genießen.

21 Uhr

Wir beenden die Zeit mit Pater Anselm mit einer durch ihn angeleiteten Übung, in der alle Gegensätze, die man in sich trägt, angenommen und umarmt werden. Nach einem Absacker mit der Gruppe geht es ins Bett. Im Bett lasse ich den Tag nochmal an vorübergleiten. Ich frage mich, ob ich im Beisein von Anselm Grün eventuell etwas zu engagiert diskutiert habe?

Erkenntnisse des Tages aus Münsterschwarzach

  1. Überall, wo Menschen miteinander leben und arbeiten stehen sie vor den gleichen Herausforderungen, stellen die gleichen Fragen.
  2. Über das Leben und die Menschen zu philosophieren gibt mir ganz viel Energie.
  3. Was für ein unglaublicher Tag in Münsterschwarzach.

 

Mittwoch

5:45 Uhr

Ich bin wach. Die Nacht war deutlich ruhiger, als die vorherige. Ich mache mich startklar für den Tag und fange an meine Sachen zu packen.

7 Uhr

Wir meditieren auch heute in der Gruppe. In der Stille komme ich ganz tief bei mir an. So tief konnte ich lange nicht gehen.

7:40 Uhr

Auch beim Frühstück hänge ich noch etwas in der Meditation fest. Mir ist nicht nach reden. Ich brauche noch etwas Zeit für mich, um richtig im Tag anzukommen.

9 Uhr

Mein Zimmer ist geräumt und wir starten in unsere letzte Einheit mit der Gruppe. Wir tauschen uns über die Eindrücke des Vortags aus, bevor wir wieder die aktuellen Themen des Unternehmens in den Fokus nehmen und eine Aufstellung dazu machen. Wieder finde ich es grandios, was Aufstellungen möglich machen. Wie eine minimale Veränderung eine große Wirkung zeigen kann. Wir schließen die Themen und die Tage ab, ziehen ein Fazit über die Tage, welches durchweg positiv und erkenntnisreich ist.

12:20 Uhr

Mittagessen und erste Abschiede

13 Uhr

Ich möchte die letzten Minuten, die mir für diesen Aufenthalt bleiben noch für mich nutzen. Der erste Weg führt mich in die Klosterbuchhandlung, wo ich mich ein Buch über Stille aussuche. Danach besuche ich noch die Krypta, in die wir am Vorabend nicht reingekommen sind.

13:45 Uhr

Ich werde abgeholt. Meine Tochter und mein Mann sammeln mich ein und es geht auf die A7 in Richtung Norden. Körperlich sitze ich im Auto. Alles andere von mir ist noch nicht wieder auf dem Weg nach Hause und in den Alltag. Ich bin müde und erschöpft. Gleichzeitig sehr ruhig und ausgeglichen. In mir arbeitet es.

Fazit des letzten Tages in Münsterschwarzach

Da möchte ich unbedingt wieder hin! Ich hoffe, ich konnte dir einen Eindruck von meinem Aufenthalt in Münsterschwarzach geben. Es waren nur zwei Tage, die ich dort verbracht habe. Die Eindrücke hätten auch für zwei Wochen oder gar Monate gereicht. Deine Sabrina  

SabrinaBesic
SabrinaBesic

Ich bin Sabrina Besic, Coach* für (Neu)Orientierung & Selbstfürsorge.

Irgendwann habe ich durchschaut, dass mich mein
Leistungsdenken nicht voranbringt, geschweige denn
glücklich macht. Ich habe gelernt, mein Herz und meinen
Bauch zu integrieren. Habe mich mit meinen Lebensmotiven
auseinandergesetzt.

Ich verbinde meine mehr als 8 Jahre Coachingkompetenz mit
meiner Leidenschaft für Themen rund um
Stressbewältigung, Selbstfürsorge und meinen eigenen
Erfahrungen, um dich bestmöglich zu unterstützen.

*systemischer Coach (anerkannt vom DBVC)
Reiss Motivation Profile Master

2 Kommentare

  1. Britta Wehner

    Liebe Sabrina, vielen Dank für deine Schilderungen. Ich war auch schon mehrfach in einem Benediktiner-Kloster in Nütschau zu einer Auszeit. Die Erfahrungen sind so tief, dass sie lange nachhallen. Und sie haben bei mir eine ganz tiefe Sehnsucht nach Alleinsein ausgelöst. Deshalb integriere ich diese Auszeiten konsequent in meinen Alltag, weil sie so heilsam sind. Was hast du mitgenommen?

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    • SabrinaBesic

      Liebe Britta, vielen Dank für deinen Kommentar. Das Bedürfnis nach Alleinsein kann ich sehr gut nachvollziehen. Das habe ich allerdings für mich schon sehr gut integriert. Für mich ist es eher ins Gegenteil umgeschlagen und mir wurde mein Bedürfnis nach Verbundenheit und Gemeinschaft wieder mal sehr bewusst. So hinterlassen ähnliche Erfahrungen bei jedem Menschen andere Eindrücke. Das finde ich immer wieder faszinierend.

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