Blutwerte, Ärzte, Nährstoffe, Schübe, Stimmungsschwankungen, Angst, Unsicherheit, Müdigkeit, Haarausfall, Gewichtszunahme,… Das ist eine Auswahl der Themen, die Hashimoto in unser Leben bringt und die täglich – bewusst oder unbewusst – unsere Gedanken steuern. Keines dieser Themen löst bei mir gute Gefühle aus und ich denke bei dir ist das ähnlich. Stattdessen fühlt man sich krank, klein, hilflos, ohnmächtig. Es sind Gefühle die das Leben eng machen, den Gestaltungsspielraum und die Lebensfreude nehmen. Doch was tun? Diese Themen fordern Aufmerksamkeit, wollen gesehen, betrachtet und gelöst werden. Und sie haben Macht, weil wir sie täglich spüren. So sind sie ständig präsent in unseren Gedanken, lösen noch mehr negative Emotionen aus und der Wunsch sie zu lösen wird noch größer. Was den Themen noch mehr Macht gibt…Du merkst, das ist ein Teufelskreis. Ein Perpetuum Mobile – nur in die verkehrte Richtung.

Ein Experiment.

Ich möchte ein gedankliches Experiment mit dir wagen. Vielleicht geht es gar nicht darum, den Aspekten, die Hashimoto mit sich bringt, so viel Aufmerksamkeit zu schenken? Vielleicht geht es vielmehr darum, die Perspektive zu verändern und somit Raum für neue Gedanken und damit auch andere Gefühle zu schaffen? Was würde also geschehen, wenn ich mir eine andere Geschichte über mich und mein Leben mit Hashimoto erzählen könnte? Was wäre, wenn meine Aufmerksamkeit nicht mehr nur an meinen Symptomen hängen würde? Was wäre, wenn ich nicht das Bedürfnis hätte in das gesellschaftliche Klagelied einzustimmen, um meinen Teil der Aufmerksamkeit zu bekommen? Was wäre, wenn ich mein Leben mit Hashimoto als genau richtig ansehen könnte?

Wow. Das sind zunächst einmal verwirrende, herausfordernde und vielleicht auch provozierende Fragen. Dennoch möchte ich sie heute stellen und dir die Möglichkeit geben dich gedanklich damit auszutoben, dich auf ein Gedankenexperiment einzulassen, dich mit deinen Widerständen, die diese Fragen auslösen, auseinander zu setzen. Das ist aufregend – in jeglicher Bedeutung des Wortes – und vielleicht hast du keine Lust darauf. Das ist völlig okay. Aber falls du neugierig bist,  dann gebe ich dir gern einen Einblick in meine Wahrnehmung und Erfahrungen und freue mich, wenn du deine mit mir teilst.

Welche Geschichte erzählst du dir?

Eines vorweg: In keinster Weise will ich Hashimoto klein reden oder die Betroffenen (wovon ich ja auch eine bin) bloßstellen. Ich schildere hier lediglich meine Wahrnehmung, wie auch meine persönliche Erfahrung, die mir immer wieder zeigt dass Betroffene ihren Fokus häufig stark auf die vielschichtigen Symptome, die Hashimoto mit sich bringt, richten. Die Frauen sind so verunsichert und so voller Angst vor dieser Krankheit und möglichen Folgen, dass klare Gedanken scheinbar schwierig werden und die innere Vernunft übertönt wird. Das trägt Stilblüten bis hin zu: „Ich habe einen Pickel auf der Nase. Kommt das von Hashimoto?“

Ich kenne das selbst auch. Nachdem ich 2014 das erste Buch über Hashimoto in die Finger bekommen hatte, war es um mich geschehen. Aus heutiger Sicht betrachtet bin ich ziemlich schnell in Aktionismus verfallen, war irritiert, was die Diagnose tatsächlich für mich bedeutet, bekam Angst davor, was in meinem Körper vorging und welche Folgen das für mich auf lange Sicht haben könnte. Obwohl es mir körperlich gut ging, habe ich alle möglichen Ernährungstipps umgesetzt, nur um etwas zu tun. Unterm Strich kann ich sagen, dass ich mich in dieser Zeit weit von mir und meiner Intuition entfernt habe. Die Idee davon, was Hashimoto bedeutet, oder besser bedeuten könnte, hat mich so vereinnahmt, so viel Angst in mir ausgelöst, dass ich einfach etwas tun musste. Ohne zu prüfen, ob das für mich und meinen Körper in meiner Situation das Richtige ist.

Energy flows, where attention goes.

Wenn wir den Fokus auf die schwierigen und herausfordernden, die angstmachenden Aspekte legen, dann werden dies auch die Aspekte sein, die sich verstärkt zeigen. Vielleicht kennst du das auch aus anderen Lebensbereichen: Als ich damals den Führerschein gemacht habe, habe ich nur noch Fahrschulautos auf der Straße gesehen, als ich schwanger war, nur noch andere Schwangere. Ich gehe davon aus, dass du nicht nur Hashimoto in deinem Leben spüren möchtest. Dafür kann die Auseinandersetzung mit den oben gestellten Fragen hilfreich sein.

Heute schaue ich meist wohlwollend auf mein Leben mit Hashimoto. Ich habe gelernt meine Grenzen zu respektieren und mir die Freiräume zu nehmen, die ich brauche. Ich bin besonnener geworden, achtsamer mit mir und meiner Umwelt, traue mich, meine eigenen Spielregeln zu machen, statt mir von außen etwas aufdrücken zu lassen, bin besser denn je in Kontakt mit meiner Intuition. Die Geschichte, die ich mir über mein Leben mit Hashimoto erzähle, hat sich in den letzten Jahren definitiv verändert. Das ist gut! Und genau das wünsche ich dir auch.

Deine Sabrina.

PS: Falls du neugierig geworden bist und mehr über mich und die Zusammenarbeit mit mir erfahren möchtest, dann schau gern hier vorbei!

Ergänzend zu meinem Blogartikel, erzähle ich dir hier anhand eines Beispiels aus meiner Lebensrealität, wie Gedanken das Erleben beeinflussen.