Du willst voll ausschwingen? Dann spür alles was da ist!

24 Nov 2021 | Coaching

Es ist ziemlich genau 10 Jahre her. Zu der Zeit war ich noch in einer Festanstellung und es war die Zeit in meinem Leben, in der ich im Job so unfassbar unglücklich war, wie man sich nur vorstellen kann. So unglücklich, dass es oft vorkam, dass ich morgens weinend zu Hause saß und gesagt habe: “ Ich will da nicht hin!“. Klar war: Es lief irgendwas mächtig schief und ich war unglücklich. Aber was hab ich getan? Aufstehen, Krönchen richten (bzw. Tränen abwischen, Superheldenanzug anziehen) und wieder hingehen. Statt wirklich in mich rein zu spüren, hab ich diese Gefühle weggewischt, die wollte ich nicht haben. Ich habe also ein großes Spektrum meiner Gefühlswelt ausgeblendet, damals noch nicht ahnend, wie schädlich das ist. (Mehr über meine Geschichte findest du auf meiner Über-Mich-Seite) Der Tipp, den ich damals gern gehabt hätte: Wenn du voll im Leben ausschwingen willst, dann spür alles was da ist. Egal wie herausfordernd und unbequem es auch für den Moment sein mag.

 

Voll ausschwingen

Voll ausschwingen im Leben bedeutet für mich, erfüllt zu leben, das Leben zu spüren, mich zu spüren. Ich denke die meisten Menschen stimmen in diesem Verständnis mit mir überein. Zumindest so lange, bis sie feststellen, dass ich damit meine, alles und zwar wirklich ALLES zu spüren und zu fühlen. Das geht dann über die so sehr erwünschten Gefühle wie Freude oder Liebe weit hinaus, denn auch die Gefühle, die wir häufig als „schlecht“ bezeichnen, gehören in meinem Verständnis dazu. Ja, ich meine sowas wie Angst, Trauer, Scham. Auch diese Gefühle gehören zu unserem Spektrum und auch sie wollen und sollen gefühlt werden.

 

Komm, wir gehn schaukeln!

Stell dir vor, du sitzt auf einer Schaukel. Stell dir zusätzlich vor, dass auf einer Seite Freude, Dankbarkeit, Vertrauen, Leichtigkeit und Liebe stehen. Und auf der anderen Seite Wut, Angst, Aggression, Neid und Hass. Da, wo du dich gerade befindest ist neutrales Gebiet. Wenn du jetzt anfangen willst zu schaukeln, dann kannst du versuchen die unbequeme Seite auszulassen. Du musst dich dann vom Ausgangspunkt wegkatapultieren und immer wieder abrupt auffangen. Das scheint mir eher eine Kraftanstrengung und sehr ungemütlich zu sein, vielleicht verletzt du dich sogar dabei. In jedem Fall hat es wenig mit schaukeln zu tun. Du kannst aber auch wagen, in beide Richtungen auszuschwingen. Je höher du dich in die eine Richtung wagst, umso höher wirst du auch auf der anderen Seite kommen. Oder umgekehrt: Wenn du dich auf der einen Seite nicht traust auszuschwingen, dann wirst du es auf der anderen auch nicht schaffen.

 

Was die Schaukel zeigt

Das Bild der Schaukel transportiert ganz unterschiedliche Facetten dieses Themas:

  • es gehören beide Seiten in gleichem Maß dazu, um wirklich das Kribbeln zu spüren
  • du kannst mal höher und mal niedriger schwingen
  • kein (Gefühls-)Zustand ist von ewiger Dauer, du kannst darauf vertrauen, dass es auch wieder anders wird (beruhigend, oder?)

 

Was anders hätte laufen können

Lass uns nochmal auf meine Geschichte von vor 10 Jahren schauen. Was hätte anders laufen können, wenn ich meine nicht gewollten Gefühle damals wirklich wahrgenommen hätte? Ich kann das natürlich nicht mit letzter Sicherheit behaupten, aber ich vermute ganz stark, dass es nicht so weit gekommen wäre, dass ich morgens weinend auf dem Sofa sitze. Hätte ich mich und meine Gefühle wirklich gespürt, wäre ich nicht mit Karacho gegen so viele Wände gelaufen. Ich wäre nicht so am Limit gewesen, wie ich es damals war. Ich hätte früher für Veränderung gesorgt. Vielleicht früher meinen Job gekündigt, vielleicht auch meinen Frieden mit ihm geschlossen. Wer weiß…?

Wie geht es dir mit dem Spüren von „schlechten“ Gefühlen? Schreib es mir gern in die Kommentare!

Deine Sabrina

 

 

Autorenbox Sabrina Besic

2 Kommentare

  1. Petra

    Du bringst es so schön auf den Punkt Sabrina. Es gehören wirklich alle Gefühle gelebt. Die schônen und auch die weniger tollen. Denn wenn nicht wird jeder früher oder später krank.

    Und auch wenn es manchmal hart ist (oder auch extrem schön), dann sich bewusst sein „auch das verändert sich“ hilft sich nicht zu verbeissen sondern mit dem Leben (und auch Sterben) mitzugehen. Annehmen was ist und dabei in Frieden sein….

  2. SabrinaBesic

    Das hast du wunderbar geschrieben, Petra. Danke für deine Gedanken zu dem Thema. 🙏🏻

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