Die Geschichte vom Franzbrötchen…

7 Okt 2021 | Persönliches, Selbstfürsorge

…und was das mit Bedürfnissen, Ängsten und Wünschen zu tun hat.

Heute habe ich etwas geschenkt bekommen…nur leider freue ich mich nicht wirklich drüber. Aber, lass mich vorne anfangen:

Wie alles begann

Heute früh hab ich im Café meines Vertrauens Kritik fallen lassen. Ganz wertschätzend und ohne Hintergedanken. Gestern hatte ich mir dort nämlich einen Chai Latte mitgenommen, der so gar nicht schmeckte. Allerdings hab ich es nicht geschafft, oder war zu faul, nochmal zurück zu gehen, um das direkt zu platzieren.

So bin ich heute früh mit meiner Rückmeldung im Gepäck wieder dort gewesen und ins Plauschen gekommen. Als Dankeschön wurde mir ein Franzbrötchen aufs Haus angeboten. Meine spontane innere Reaktion war: Eigentlich esse ich das nicht. Und wenn, dann sollte es ein Schoko-Franzbrötchen sein. Denn das ist wirklich lecker.

Der Mindfuck nimmt seinen Lauf

Aber es ging noch mehr in meinem Oberstübchen ab: Der meint es gut. Das ist die Entschuldigung für den miserablen Chai Latte. Der ist froh, dass er eine Rückmeldung bekommt und keine schlechte Mundpropaganda (darum verrate ich den Namen des Cafés hier auch nicht😉). Es wäre unhöflich abzulehnen. Und es wäre noch unhöflicher nach einem Schoko-Franzbrötchen zu fragen. Das ist schließlich teurer als das normale. Und so weiter, und so fort. Ein Mindfuck nach dem anderen!

Was meinst du, was ich schlussendlich gesagt habe? Richtig! „JA, gern! Vielen Dank.“ 🙈

Die Folgen

Aber wie geht es mir jetzt damit? In der Küche liegt dieses geschenkte Franzbrötchen. Ich weiß, dass ich es im Lauf des Tages essen werde. Denn wegwerfen wäre ja zu schade. Aber es wird eine Kröte sein, die ich schlucke. Es wird ein fader Beigeschmack dabei sein.

Und warum? Weil ich mich nicht getraut habe „Nein“ zu sagen, oder meinen Wunsch nach einem Schoko-Franzbrötchen zu formulieren. Weil ich meinem Gegenüber das gute Gefühl lassen wollte, das Richtige getan zu haben.

Wie oft passiert es, dass wir es verpassen, unsere Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren, Grenzen zu setzen oder klare Kante zu zeigen? Doch welchen Preis bezahlen wir dafür? In diesem Fall ist er nicht sehr hoch. Es geht um ein Franzbrötchen. Dennoch bleibt dieses ungute Gefühl, nicht für mich eingestanden zu sein. In anderen Situationen vielleicht sogar der Vorwurf: „Warum weiß mein Gegenüber nicht, was ich wirklich brauche?!“

Eine Chance vertan

Heute hätte ich die Chance gehabt das zu üben. Einen Wunsch formulieren, oder einfach „Nein, danke“ sagen. Ohne nachhaltige Konsequenzen fürchten zu müssen. Denn die Angst vor Konsequenzen in Form eines Konflikts ist es doch, warum das so schwer fällt. Oder?

Ich wünsche dir einen Tag voller Mut für gute Entscheidungen.

Ich werde dran arbeiten und vielleicht landet das Franzbrötchen auch einfach im Müll… (es zuckt schon wieder in mir: „Das macht man nicht!“ schreit meine innere Stimme. „Wir werden sehen“, sag ich.)

Deine Sabrina

PS: Für alle, die nicht wissen, was ein Franzbrötchen ist: hier kannst du es rausfinden.

PPS: Update vom 11. Oktober: Ein Ministückchen des Franzbrötchens hat es in meinen Mund geschafft. Zum Rest konnte ich NEIN sagen.

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