Die Grenzen des Reiss Motivation Profiles®

19 Aug 2021 | Reiss Motivation Profile

Das Reiss Motivation Profile® (RMP) ist das Persönlichkeitsprofil, mit dem ich am liebsten arbeite. Im Vergleich zu vielen anderen Profilen, zielt es darauf ab, die inneren Wünsche, die Lebensmotive, sicht- und greifbar zu machen. Es werden 16 Lebensmotive untersucht, die sich jeweils im Spannungsfeld zwischen hoher und geringer Ausprägung erstrecken. Im Auswertungsgespräch fällt schon mal ein Satz wie: „Woher kennen Sie mich so gut!?“. Aber auch das Gegenteil ist mir schon bei einzelnen Motiven begegnet: „In dem Motiv finde ich mich überhaupt nicht wieder.“ Darum werfen wir heute einen Blick auf die Grenzen des RMP.

Beispiel eines Reiss Motivation Profiles.

 

Einige Grenzen des RMP:

  • zu viel denken: es wird abgewägt, ob diese Antwort vom Umfeld erwünscht ist oder nicht (dieses Phänomen kann beim Beantworten und auch beim Auswertungsgespräch auftreten)
  • Belastung / Stress: wenig Zugriff auf Intuition; „So hätte ich es gern in einer optimalen Welt.“ wird beim Bewerten der Aussagen zu „So ist es gerade.“
  • Prägungen: wenn die Bandbreite der Möglichkeiten nicht bekannt ist und es nur ein „Richtig“ in der bisherigen Wahrnehmung gibt
  • sprachliche Missverständnisse: beim Ausfüllen in einer Fremdsprache, oder auch bei anderem Sprachgebrauch

 

Hier ein Beispiel aus der Praxis:

In einem kürzlich durchgeführten Auswertungsgespräch waren wir beim Motiv „Rache“ angekommen. Im Chart war das Motiv mit einer Tendenz zur geringen Ausprägung angezeigt. Also klar auf der Seite von ausgleichend, harmoniesuchend. Im Gespräch wurde deutlich, dass sich mein Gegenüber bei diesem Motiv überhaupt nicht getroffen sah. Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass alle zu bewertenden Aussagen zu diesem Motiv auf sehr körperlicher Ebene – in dem Fall mit einer Prise Gewalt – interpretiert wurden. Das hat bei meinem Gegenüber eine sehr starke Abwehr erzeugt, so dass die Einschätzung viel mehr in Harmonie abdriftete, als es der Person eigentlich entspricht.

So kann Sprache oder auch Prägung zu Missverständnissen führen. Und darum ist es aus meiner Sicht unerlässlich, die Erstellung eines RMP immer, wirklich immer, mit einem Auswertungsgespräch zu verbinden. Nur dann können solche Aspekte entdeckt, besprochen und eingeordnet werden.

 

Was fange ich denn dann mit dem Ergebnis an?

Eine Frage, die sich an diesem Punkt nun stellen kann, ist, was man denn dann mit dem Ergebnis überhaupt anfangen kann. Auch wenn das RMP Grenzen hat, so ist es dennoch ein sehr verlässliches Tool im Bereich der Persönlichkeitsprofile. Dies wurde wissenschaftlich bestätigt. Darum würde ich in keinem Fall die Aussagekraft grundsätzlich in Frage stellen. Dennoch gilt es für mich im Auswertungsgespräch wachsam zu sein, Zwischentöne aufzunehmen. Dazu kommt die Notwendigkeit, dass mein Klient  die Bereitschaft und Offenheit hat, sich selbst noch besser zu verstehen. Dann bekommt man mit dem RMP einen Leitfaden an die Hand, der als Orientierung für private und berufliche Entscheidungen dienen kann, weil die Klarheit darüber da ist, was einen wirklich mit Zufriedenheit erfüllt. Wenn man das Ergebnis wissentlich verfälschen will, dann kann man das natürlich. Damit beschummelt man jedoch vor allem sich selbst.

Wie ist es um deine Neugier, dich selbst besser zu verstehen, bestellt? Wenn du Fragen rund um das RMP hast, dann melde dich gern per E-Mail.

Deine Sabrina

 

2 Kommentare

  1. Jeannine Gashi

    Oh, sehr toll erklärt. Wieder was gelernt. Das kannte ich noch nicht. Danke!
    Herzliche Grüessli
    Jeannine

  2. Stefan

    Danke fürs Teilen – ich kann das Gefühl und die Einordnung der Person gut nachvollziehen, da die Fragen des Reiss Profils weniger auf ein Motiv als auf einen anderen Aspekt unserer Persönlichkeit, konkret die aktuelle Fähigkeit zur Gefühlsregulation und emotionale Stabilität bei Bedrängnis, verweisen.

    Gut daher, dass du drangeblieben bist und auch wirklich den Raum aufgemacht hast, dass die Person ihre Motive reflektieren konnte …

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